Vereinsgeschichte

125 Jahre Turnen in Penzing und Hietzing in Zeiten der Monarchie,
der Diktatur und der Republik.
Eine Chronik mit Höhen und Tiefen.

(Aus der Festschrift zur 125-Jahrfeier erstellt von Udo Wunsch)

 

4. Jänner 1883

Vorbereitende Sitzung für die Gründung eines   Turnvereins in Penzing

Alles begann beim „Goldenen Hirschen“. Am 4. Jänner 1883 traf sich eine Runde honoriger Bürger der Ortschaft Penzing auf Anregung des Lehrers Leopold Böck in dem beliebten Gasthaus in der Diesterweg- gasse 34, um eine wichtige, eigentlich längst überfällige Angelegenheit zu besprechen: Die Gründung eines Turnvereins.

 

19. Jänner 1883

Gründung des „Penzinger Turnvereins“

In den 1880er Jahren waren Turnvereine groß in Mode. Nachdem die restaurativen Kräfte in der Österreichisch-Ungarischen Monarchie lange Zeit Vereinsgründungen sehr erschwert hatten, erlebte das „Deutsche Turnen“ einen beispiellosen Aufschwung und in diesem Jahrzehnt entstanden nicht nur zahllose Turnvereine in ganz Österreich. Ein großer Teil der heute noch bestehenden österreichischen Turnvereine wurde in dieser Zeit gegründet. Diese Blütezeit des Turnens schlug sich auch in der Gründung des „Deutschen Turnerbunds“ im Jahr 1889 nieder, der den seit 1869 bestehenden „Kreisverband der Turnvereine Deutschösterreichs“, eine Untergliederung der Deutschen Turnerschaft, ablöste.

 

12. Juni 1883

Der Penzinger Turnverein wird Mitglied des   Turngaus Niederösterreich der Deutschen Turnerschaft.

Auch die winterliche Versammlung beim „Goldenen Hirschen“ war von Erfolg gekrönt. Bereits am 19.Jänner 1883 wurde bei einer weiteren Versammlung in der Ortschaft Penzing ein Turnverein gegründet und als erster Obmann wurde Heinrich Natich gewählt. Der in der Ortsgemeinde Penzing neugegründete Verein erhielt den Namen PENZINGER TURNVEREIN.

 

Sommer 1883

Die Turnhalle der Knabenschule Diesterweggasse   (heute Volksschule Diesterweggasse) wird zum ersten Turnplatz des Penzinger   Turnvereins

2. Juni 1885

Erstes Schauturnen des Penzinger Turnvereins

In dem jungen Turnverein entfaltete sich auch rasch ein blühender Turnbetrieb. Noch im selben Jahr begann man in der Turnhalle in der damaligen Knabenschule   Diesterweggasse (die heutige Volksschule in der Diesterweggasse Nr. 30) mit regelmäßigen Turnstunden und bereits eineinhalb Jahre nach der Vereinsgründung war die Riege groß und gut genug, um ein erstes öffentliches Schauturnen am 2. Juni 1885 im damaligen Hotel Dobner, dem heutigen Parkhotel Hübner zu veranstalten – damit war auch die erste Brücke ins benachbarte Hietzing geschlagen. Ein weiteres Jahr später bewährte sich der Penzinger Turnverein als Ausrichter des 7. Niederösterreichischen Gauturnfestes. Der Festturnplatz befand sich auf einer großen Wiese östlich der Astgasse.

 

1886

Niederösterreichi-sches Gauturnfest in Penzing

1890

Der Penzinger Turnverein erhält seine erste   Vereins-fahne: Schwarz- Rot-Gold mit dem Turnerwahlspruch „Frisch, Fromm,   Fröhlich, Frei“

Der Aufschwung des Vereins zeigte sich auch in seinem öffentlichen Auftreten. Der damaligen Zeit entsprechend, war die Stiftung einer ersten Vereinsfahne ein symbolträchtiger Akt, der die rasant gewonnenene Bedeutung des Vereins im Gesellschaftsleben des damaligen Vororts Penzing widerspiegelte. Die 1890 gestiftete Fahne zeigt auf der Vorderseite auf einem weißen Feld einen Schwarz–Rot–Goldenen Wappenschild umgeben von einem grünen Eichenkranz und vier kreuzförmig angeordneten F. Damit war das Selbstverständnis des Turnvereins augenfällig dargestellt: Schwarz-Rot-Gold verdeutlichte die Zugehörigkeit zur gesamtdeutschen Turnbewegung, die 4 F standen und stehen für den Turnerwahlspruch „Frisch, Fromm, Fröhlich, Frei“ und der Eichenkranz ist das traditionelle, an antike Vorbilder angelehnte Siegeszeichen bei turnerischen Wettkämpfen.

 

1890

Gründung des St. Veiter Turnvereins für die   Ortschaften St. Veit und Hiet-zing. Turnplatz in der Auhofstraße

Im selben Jahr begann auch die Hietzinger Turngeschichte. 1890 wurde für die Ortschaften Hietzing und Sankt Veit auch ein Turnverein mit dem Namen Sankt Veiter Turnverein gegründet, mit Josef Tremel als erstem Obmann. Als Turnplatz diente zunächst ein Saal im Gast-hof Groisinger in der Auhofstraße (in der Ortschaft Sankt Veit). Als Folge des späteren Wechsels in den Turnsaal des Gymnasiums Fichtnergasse im Ortsteil Hietzing kam es 1901 zur Umbenennung in Hietzinger Turnverein.

 

1891

Niederösterreichi-sches Gauturnfest in Hietzing

1901

Umbenennung des St. Veiter Turnvereins in   Hietzinger Turnverein

Auch der St. Veiter Turnverein erreichte binnen kürzester Zeit wesentliche gesellschaftliche Bedeutung. Bereits ein Jahr nach der Gründung, im Jahr 1891, konnte das 10. Niederösterreichische Gauturnfest veranstaltet werden. Die Eingliederung von Penzing und Hietzing in die Stadt Wien änderte übrigens nichts an der Zugehörig-keit zum Niederösterreichischen Turngau, war doch auch Wien damals Teil des Landes Niederösterreich.

 

1902

Gemeinsames Turnfest des Penzinger und des   Hietzinger Turnvereins zum 50. Todestag Jahns

Ein Höhepunkt des Vereinslebens der beiden Turnvereine war das 1902 veranstaltete Turnfest anlässlich des 50. Todestages von „Turnvater“ Friedrich Ludwig Jahn, des Begründers und der prägenden Persönlichkeit des Deutschen Turnens. Dieses wurde gemeinsam vom Penzinger und vom Hietzinger Turnverein im Turnsaal des Gymnasiums Fichtnergasse veranstaltet.

 

25. Mai 1903

Beschluss zur Vereinigung des Penzinger und des   Hietzinger Turnvereins zum „Penzing-Hietzinger Turnverein“

Durch den Erfolg dieses Turnfestes vertieften sich die ohnehin sehr freundschaftlichen Beziehungen der beiden Vereine weiter und ein Jahr später ergaben sich daraus weitreichende Konsequenzen. Am 25. Mai 1903 kam es zu einer gemeinsamen Jahreshauptver-sammlung des Penzinger und des Hietzinger Turnvereins, bei der eine Vereinigung unter dem neuen Vereinsnamen „Penzing-Hietzinger Turnverein“ beschlossen wurde. Geturnt wurde zunächst im Turnsaal des Gymnasiums Fichtnergasse in Hietzing, später kam ein zweiter Turnplatz in der Bürgerschule Reinlgasse in Penzing dazu.

 

1912

Die Genehmigung zur Vereinigung wird erst 1912   offiziell erteilt

Behördlich genehmigt wurde der Zusammenschluss übrigens volle neun Jahre später – erst am 10. Oktober 1912 wurde der neue Verein von der damaligen kaiserlich-königlichen Statthalterei Wien unter der Aktenzahl IV – 3176/1 mit den neuen Vereinsstatuten zugelassen. „Der Bestand des PENZING – HIETZINGER TURNVEREINS nach dem Inhalt der geänderten Statuten ist im Sinne des § 9 des Gesetzes vom 15. November aus dem Jahre 1867 österreichisch – ungarisches   Reichsgesetzblatt Nr. 134 bescheinigt“, heißt es in dem vom „Kaiserlich-Königlichen Statthalter“ unterschriebenen Akt.

 

November 1913

Großes Schauturnen anlässlich der 30-Jahr-Feier   des Penzing-Hietzinger Turnvereins

Die Jahre von der Jahrhundertwende bis zum 1. Weltkrieg waren für den Verein insgesamt sehr erfolgreich. Von 1898 bis 1914 war Turnbruder Fritz Hofbauer Obmann des Vereins, der in dieser Zeit einen beachtlichen Aufschwung erlebte und zu einem der führenden Turnvereine im Raum Wien-Niederösterreich aufstieg. 1903 wurde Turnbruder Matthias Lendl (vom neu vereinigten Penzing-Hietzinger Turnverein) zum niederösterreichischen Gau-Turnwart gewählt. Vom großartigen Schauturnen des Jahres 1913, das unter seiner Leitung zur 30-Jahr-Feier des  Penzing-Hietzinger Turnverein im „Hietzinger Hof“ stattfand, schwärmten viele Turngeschwister noch Jahrzehnte später.

 

1914

Gründung der ersten „Frauen- und Mädchenriege“

1914 erfolgte auch die Gründung der ersten Frauen- und Mädchen-riege und eigentlich erhielt der Verein erst damit seine bis heute be-stehende Struktur. Es war auch hoch an der Zeit und der PHTV war damit wirklich kein Vorreiter mehr, hatte es die ersten zarten Ansätze des Frauenturnens doch schon im Revolutionsjahr 1848 gegeben und noch im 19. Jahrhundert waren in zahlreichen Vereinen Frauenriegen gegründet worden.

 

1914-18

73 Turnbrüder kämpfen im 1.Weltkrieg, 11 bleiben   im Feld

Der im Sommer 1914 ausgebrochene 1. Weltkrieg beendete die Blüteperiode des Vereins. 73 Turnbrüder des Penzing-Hietzinger Turnvereins dienten beim kaiserlich und königlichen Heer, an einen geregelten Turnbetrieb war kaum zu denken. Insgesamt fielen elf Turnbrüder.

 

1919

Beitritt zum „Deutschen Turnerbund 1919“

Trotz der materiellen Not der Nachkriegsjahre kam es sehr rasch wieder zur Aufnahme des Turnbetriebs, wobei auch hier Tbr. Mathias Lendl, der von 1915 bis 1919 den Verein als Obmann führte, die tragende Rolle spielte. Der PHTV wurde Mitglied im Deutschen Turnerbund 1919, der Nachfolgeorganisation des Deutschen Turnerbunds 1889.

 

1920

Gründung einer Bergsteigerriege

1930

Ausrichtung des „Bundes-Schilaufs“ des Deutschen   Turnerbunds mit Langlauf, Abfahrtslauf und Springen

Der Wander- und Naturbegeisterung dieser Jahre ist auch die Gründung einer Bergsteigerriege im Jahr 1920 geschuldet. 1921 wurde im Jörgerbad erstmals auch ein Schwimmwettkampf veranstaltet. Die Ausweitung des turnerischen Spektrums zeigt die Gründung einer „Schneelauf und Schilaufriege“ im Jahr 1923 und im Jahr 1930 richtete der Penzing-Hietzinger Turnverein den „Bundes-Schilauf“ des Deutschen Turnerbundes in Admont in der Steiermark aus. Neben den bis heute bei den Skimeisterschaften des Österreichischen Turnerbundes üblichen Bewerben Skilanglauf und Alpinskilauf gab es damals übrigens auch einen Skisprung-wettkampf.

 

Bergturnfeste am Roppersberg

Auch die Bergturnfeste am Roppersberg (im Wienerwald bei Laab) mit Leichtathletik – und Laufbewerben wurden mehrmals vom Penzing-Hietzinger Turnverein veranstaltet und für viele Turnvereine aus Wien und Niederösterreich waren diese ein Fixpunkt im turnerischen Jahresablauf.

 

1922

1. Österreichisches Bundesturnfest in Linz,

danach in Wien (1926) und Innsbruck (1930)

Der wöchentliche Turnbetrieb wuchs ebenfalls kontinuierlich. Immer wieder wurden neue Turnplätze in Betrieb genommen. Zum traditionsreichen Turnplatz in der Fichtnergasse kam unter anderem ein weiterer in der Realschule Astgasse in Penzing dazu, der danach für viele Jahrzehnte bis in die Gegenwart das Zentrum des turnerischen Lebens im Verein bilden sollte. An Turnfesten nahm der PHTV ebenfalls regelmäßig teil, selbstverständlich an den ersten drei großen Bundesturnfesten des Deutschen Turnerbundes in Linz (1922), Wien (1926) und Innsbruck (1930), an letzterem mit der heute fast unvorstellbaren Beteiligung von mehr als 100 Turnerinnen und Turnern.

 

1933

Schauturnen anlässlich der 50-Jahr-Feier des   Vereins im Großen Saal des Konzerthauses

Die 40-Jahr-Feier des Vereins im Jahr 1923 wurde gleich mit drei Veranstaltungen gefeiert: einem „Wett-Turnen“ am Sportplatz Astgasse, einem Schauturnen in „Weigls Dreherpark“ und einer festlichen Abendveranstaltung in der Katharinenhalle. Einen eindrucksvollen Beleg für die damalige Bedeutung des Vereins liefert auch der Veranstaltungsort für das Schauturnen zur 50-Jahr-Feier: Dieses fand im großen Saal des Konzerthauses statt - und dieser war brechend voll.

 

1934

Der PHTV bekommt ein amtliches Aufsichtsorgan   zugeteilt, das spätere Ehrenmitglied Tbr. Oskar Richter

Die nächste Zäsur im Vereinsleben bildete das Jahr 1934. In der Folge der politischen Wirren mit einem gescheiterten und einem erfolgreichen Staatsstreich kam wie für viele andere gesellschaftliche Institutionen auch für die Turnvereine eine Phase verstärkter staatlicher Überwachungen und Restriktionen. Darunter litt auch der Turnbetrieb des PHTV in hohem Maß. Der Verein bekam ein „Amtliches Aufsichtsorgan“ zugeteilt, das den Betrieb zu überwachen hatte. Das klingt schlimmer als es offensichtlich war, denn das „Amtliche Aufsichtsorgan“ Tbr. Oskar Richter wurde später sogar Ehrenmitglied.

 

1938

Auflösung des Deutschen Turnerbunds; der PHTV   heißt „Deutscher Turnerbund Wien – Gruppe Penzing-Hietzing

Das  Jahr 1938 brachte zwar eine große Veränderung, keineswegs aber eine Verbesserung. Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich wurde der Deutsche Turnerbund aufgelöst und die Turnvereine wurden in den Reichsbund für Leibesübungen eingegliedert. Der PHTV verlor im Zuge dieser Maßnahmen auch seinen Namen und firmierte bis 1945 als „Deutscher Turnerbund Wien –  Gruppe Penzing-Hietzing“.

 

1939-1945

Im 2. Weltkrieg sind 187 PHTV-er an der Front, 91   fallen.

Zum Turnen kam die „Gruppe Penzing-Hietzing“ leider kaum. 1938 nahm der Verein zwar noch mit einer starken Abordnung am Deutschen Turn- und Sportfest in Breslau teil und 1943 wurde in der Turnhalle des 1. Wiener Turnvereins in der Schleifmühlgasse die 60-Jahr-Feier des Vereins abgehalten, doch der Turnbetrieb war kriegsbedingt spätestens ab 1941 nur mehr rudimentär möglich. Von den 237 Vereinsmitgliedern waren gleich 187 Turnerinnen und Turner des PHTV im Kriegsdienst, davon 47 Offiziere, 45 Unteroffiziere, 79 Soldaten, sieben Jungturner waren Flakhelfer und neun Turnerinnen Rot-Kreuz-Krankenschwestern. Der Krieg forderte einen entsetzlichen Blutzoll: 90 Turner und eine Turnerin  blieben im Feld.

 

1946

Der Penzing-Hietzinger Turnverein wird aufgelöst.

Nach Kriegsende konnte der Turnbetrieb aber nicht nur deswegen nicht wieder aufgenommen werden. Der PHTV wurde, so wie alle anderen 72 Vereine des Deutschen Turnerbunds Wien, 1946 vom Wiener Magistrat aufgelöst, das Vermögen wurde beschlagnahmt und eine Fortsetzung der Vereinstätigkeit behördlich untersagt.

 

6. Juli 1952

Gründung des Österreichischen Turnerbunds unter   Beteiligung von PHTV-Turnern.

Es sollte sieben Jahre dauern, bis die Unterbrechung des Vereinslebens ein Ende  fand. Ausschlaggebend dafür war die Gründung des Österreichischen Turnerbundes als Nachfolgeorganisation des Deutschen Turnerbunds 1919. Bei der Gründungsversammlung am 6. Juli 1952 in Wels, die im Rahmen des 1. Verbands-Turnfests des Allgemeinen Turnverband Oberösterreich (heute ÖTB Oberösterreich) durchgeführt wurde, waren auch drei ehemalige Mitglieder des  PHTV, die Turnbrüder Koura, Waber und Maier anwesend. Dadurch ermutigt, trafen sich am 28. November 1952 mehrere ehemalige Turnerinnen und Turner des aufgelösten PHTV in der Gastwirtschaft Sauer und gründeten den „Allgemeinen Turnverein Hietzing“.

 

28. November 1952

Wiedergründung als „Allgemeiner Turnverein   Hietzing“

Dezember 1952

Wiederaufnahme des Turnbetriebs.

Zum Obmann wurde Turnbruder Josef Maier gewählt und bereits am 8. Dezember 1952 wurde im Turnsaal der Hietzinger Volksschule mit dem Turnbetrieb begonnen. Später konnte auch noch im Turnsaal der Volksschule Amaliengasse ein Turnplatz eröffnet werden und ab 1957 fand ein wöchentlicher Turnabend in der Turnhalle des Goethegymnasiums Astgasse statt – diese Turnstunde gibt es bis heute und jeder PHTV-Turner hat unzählige Stunden in „unserer“ Turnhalle verbracht.

 

1957

Beginn des Turnbetriebs in der Astgasse, wo der   PHTV bis heute turnt.

Nach dem Ende der Besatzung ließ der Druck auf die gerade wiedergegründeten Turnvereine deutlich nach. Auch darauf ist es zurückzuführen, dass der Name „Allgemeiner Turnverein Hietzing“ schon 1958 wieder Geschichte wurde. In bewusster Kontinuität zu den Vorgängervereinen wurde bei der Hauptversammlung am 6. Februar 1958 der einstimmige Beschluss gefasst, den ehemaligen  Vereinsnamen „Penzing-Hietzinger Turnverein“ wieder anzunehmen.

 

6. Februar 1958

Der „Allgemeine Hietzinger Turnverein“ kehrt zum   Namen „Penzing- Hietzinger Turnverein“ zurück.

1963

Die Jugendmannschaft des PHTV gewinnt den   Bundeswimpel-wettstreit.

1956 nahm der PHTV mit stolzen 43 Teilnehmern am 1. Bundesturnfest des ÖTB in Wels  teil. Damit begann eine lange Periode starker Präsenz bei Turnfesten in Österreich und Deutschland. Dabei wurden immer wieder große turnerische Erfolge gefeiert, die 1959 einen ersten Höhepunkt fanden: Die PHTV-Jugendmannschaft gewann beim Bundeswimpelwettstreit den Bundesjugendwimpel,  die vielleicht begehrteste Auszeichnung für einen Mannschaftswettkampf im Österreichischen Turnerbund. 1963 wurde Tschw. Lisl Lendl Bundesmeisterin in der Jugendklasse A und beim 3. Bundesturnfest 1966 in Graz wurde die PHTV-Jungturnerin Renate Wilfling Siegerin im besonders anspruchsvollen Neunkampf mit Disziplinen aus den Bereichen Gerätturnen, Leichtathletik und   Schwimmen.

 

Große turnerische Erfolge: Familie Egermann,   Familie Reichel und andere

In den Siebzigern und Achtzigern erlebte der PHTV im Hinblick auf die turnerischen Leistungen seine besten Jahre. Die Familie Egermann, mit Friedel als  Vorturner und von seinen Kindern vor allem Dieter als mehrfachem  Staatsmeister und WM-Teilnehmer, war hauptverantwortlich für die Erfolge im Gerätturnen, zu denen aber auch zahlreiche andere wie z. B. Erwin Reichel beitrugen. Eine Generation jünger ist Julian Egermann, der uns mit seinen großen Erfolgen in der Jugendklasse gerade jetzt viel Freude bereitet.

 

Staatsmeistertitel und Wiener Meistertitel in der   Leichtathletik

Auch in der Leichtathletik gab es beachtliche Leistungen. Diese lag vor allem Obmann Adi Hübner (1968 bis 1978) und seinen Söhnen Gulli und Klaus am Herzen. In dieser Periode wurden zahlreiche Landesmeistertitel in verschiedenen Disziplinen errungen. 1976 wurde Tbr. Hermann Neudolt sogar Staatsmeister im Kugelstoßen und Tschw. Margit Bichlbauer wurde 3. im 800-m-Lauf.

 

Beeindruckende Schauturnfeste bei den Feiern zum   75., 100. und 110. Bestandsjubiläum

Natürlich kam mit den Erfolgen auch die Lust am Feiern zurück. Die 75-Jahr-Feier des  Vereins im Jahr 1958 fand im Gasthaus „Weißer Engel“ statt. Auch Sonnwendfeiern wurden alljährlich abgehalten, zuerst am traditionellen Bergturnfestplatz auf dem Roppersberg, später auf der Hochramalm bei   Purkersdorf. Ein absoluter Höhepunkt des Vereinslebens war die 100-Jahr-Feier 1983. Die Festveranstaltung sowie das große Schauturnen fanden im exklusiven   Ambiente des Parkhotels Schönbrunn statt und waren ein wichtiges gesellschaftliches Ereignis im Bezirk. Auch das 110. Bestandsjubiläum wurde würdig begangen. Das Schauturnen im Baumgartner Casino war dank hervorragender eigener Turner und vieler Gäste aus befreundeten Turnvereinen ein durchschlagender Erfolg.

 

Teilnahme an allen Bundesturnfesten und   Bundesjugend-treffen

Prägend für die fast sechs Jahrzehnte seit der Wiederaufnahme des Turnbetriebs waren vor allem die vielen Turnfeste, Gauturnfeste, Bundesturnfeste, Bundesjugendtreffen und auch die Deutschen Turnfeste wurden praktisch lückenlos besucht. In der Regel traten dabei auch Vereinsmannschaften des PHTV an, oft sogar sehr große. Viele schöne alte Bilder von strammen Turner- und grazilen Turnerinnenmannschaften sowie den bunten, fröhlichen Wimpelwettstreitmannschaften der Vereinsjugend erinnern an die für die Teilnehmer ohnehin unvergesslichen Erlebnisse bei den Turnfesten zwischen Villach und Hamburg.

   

Auch  sonst arbeiten der PHTV und seine Mitglieder im ÖTB sehr aktiv mit. Tschw. Lisl Lendl ist seit Jahrzehnten der Motor des Mädchen-Leistungsturnens in Wien, Tbr. Thomas Brey ist Skiwart und jährlich sorgen die PHTVer dafür, dass es beim Bergturnfest des ÖTB Wien in Wildegg ausreichend Labung gibt.

   

Seit den Siebzigern sind die PHTV-Mannschaften bedeutend kleiner geworden und das   ehrgeizige Ziel des Turnrats, diesen Trend wieder umzukehren, ist sicher nicht leicht zu erreichen. Der Freude der Turnerinnen und Turner, wie etwa den Teilnehmern beim Vereinswettturnen beim jüngsten Bundesturnfest in Linz 2006, tut dies aber keinen Abbruch.

   

Das gilt auch generell für das Vereinsleben. Die Turnstunden könnten besser besucht sein, an Wettkämpfen könnten mehr Teilnehmer mitmachen und den Festen wären mehr Gäste zuträglich. Aber für Turnerinnen und Turner ist ihr Penzing-Hietzinger Turnverein nach 125 wechselvollen Jahren weiter ein Stück Zuhause, auf das sie Acht geben und das ihnen viel Freude macht.