Frühjahrswanderung 1. Mai 2016 - Bericht

1. Mai-Wanderung des PHTV auf der „Schmuggelroute“

Für gewohnheitsmäßige Schlafmützen zu nachtschlafener Zeit, also sonntags Morgen um 8:00 Uhr, war Treffpunkt in der Nisselgasse und bald darauf auch Abfahrt mit dem Bus nach Donnerskirchen am Leithagebirge. Hier war der Ausgangspunkt der Wanderoute vom Burgenländischen über den Bergrücken ins Niederösterreichische geplant.
Das Wetter bescherte uns eine angenehme Wandertemperatur von etwa 17 Grad; nur die dichte Wolkendecke sperrte konsequent den ganzen Tag über die Sonne weg. Am nördlichen Ortsende von Donnerskirchen, dem Start- und vorgesehenen, späteren Zielpunkt, versammelten sich etwas mehr als 30 Turngeschwister, um die ehemalige Schmuggelroute aus dem historischen Ungarn ins Österreichische näher in Augenschein zu nehmen.
So ging es allmählich ansteigend durch den „Teufelsgraben“; und ebenso allmählich zogen Junge, Rüstige und weniger Rüstige an mir schnaubenden Walross vorbei, sodass sich mir nun die hervorragende Gelegenheit bot, mich in Ruhe geistig in die Rolle der Schmuggler zu transferieren. Ich bekam daher bereits bei gemessenem Schritt Atemnot, wie wenn die Häscher uns Schmuggler schon auf den Fersen wären. Immer wieder waren Geheimzeichen in Form von Luftballons angebracht, die mir den Weg wiesen und die die kleine Inga alle demontierte und mit sich nahm, damit die vermeintlich hinter uns her hetzenden Verfolger verzögert werden sollten. Mittlerweile und nach einem steileren Anstieg war ich so sehr mit mir selbst beschäftigt, dass ich mir nunmehr sehnlichst wünschte, den Bergkamm zu erreichen, um den fiktiven Häschern aus Ungarn zumindest auf niederösterreichischem Boden vorerst entkommen zu sein, aber auch beim Sieben-Linden-Kreuz eine ordentliche Rast einzulegen.
Wie wir Nachzügler übrigens in Erfahrung bringen konnten, hat die übrige „Schmugglergruppe“ vor uns immer wieder Diskussionsrunden, vornehmlich bei Kreuzungen oder Gabelungen eingelegt, was angesichts einer möglichen Entdeckung durch die uns verfolgenden Häscher sehr unvorsichtig war.
Da es nunmehr großteils bergab ging, ließ es meine körperliche Verfassung zu, meine Schrittzahl pro Minute von 40 auf 41 zu erhöhen und somit die sogenannte „Wüste“ geradezu behände zu durchschreiten. Allerdings habe ich diese Wüste vor lauter Bäumen nicht gesehen (wahrscheinlich stammt diese Flurbezeichnung noch aus der Zeit knapp nach dem die Römer von den Germanen hinausgeschmissen wurden ….. oder so ähnlich).
Mein Turboschritt wurde so zügig, dass ich mich von der kleinen, fünfjährigen Inga mit ihrer Begleitung etwas absetzen konnte, weil diese ja die wichtige Aufgabe der Spurenbeseitigung durch Mitnahme der Ballons übernommen hatte. Die am Boden liegenden, aus Ästen zusammen gefügten Richtungspfeile wollten wir allerdings belassen, damit sie die Intelligenz unserer fiktiven Verfolger fordern sollten, ob diese Pfeile nicht eine Finte der Schmuggler sein könnten.
So erreichten wir schließlich die Klostermauer von „St. Anna in der Wüste“, wo alsbald der Weg abzweigend zur Ruine „Scharfeneck“ bergan führte. An diesem Punkt wollten wir den möglichen Häschern wieder ein Rätsel aufgeben, indem wir uns teilten: Die große Gruppe stieg zur Ruine auf, während ich unter betreuender Begleitung durch meine Christa den Weg am Talboden, vorbei an Burghügel und Kloster immer schneller werdend dem ersehnten Mittagstisch in der Arbachmühle entgegen strebte. Leider hatte sich die ganze Schmuggler-Bagage einschließlich mir, offensichtlich durch entsprechende Vorsichtsmaßnahmen verursacht, um rund eine Stunde verspätet, sodass der Aufbruch nach dem Mahle von 14:00 auf 15:00 Uhr verschoben werden musste.
Da ich mir vorgenommen hatte, in jedem Fall noch die Übersicht und die anderen vor Unfug zu bewahren, trat ich den „Rüchweg“ nach Donnerskirchen im Autobus an! Das angedachte Vorhaben war, diejenigen, die bei der Franz-Josefs-Warte das Handtuch werfen wollten (es wäre etwa die Hälfte des Retourweges und liegt nur wenige hundert Meter zur Autostraße), mit dem Bus abzuholen; schließlich hätte man dann den Ausblick über den Neusiedlersee ohnehin genossen und mit dem wandersüchtigen Schmuggler-Rest  der Gruppe ginge es von nun an sowieso nur mehr bergab …. zumindest bis nach Donnerskirchen. Daher warteten der Bus, sein Fahrer und ich zur vereinbarten Zeit an vereinbartem Ort gut getarnt unter Bäumen. Doch da kam niemand! Wir versuchten (der Bus natürlich nicht), über Mobiltelefon trotz Entdeckungsgefahr Kontakt aufzunehmen, was möglicher Weise wegen konsequenter Tarnung nicht gelang. Auch meine, dem Rumpelstilzchen gleichenden Zornessprünge beeindruckten das blöde Kommunikationsgerät in keiner Weise: Statt erlösender 3 bis 4 Striche zeigte das unfähige Display nur einen provokanten schwarzen Punkt. Nach geraumer Zeit des Wartens verloren der Bus, sein Fahrer und ich die Geduld und wir strebten dem leibliches Wohl versprechenden Heurigen in Donnerskirchen zu.
Bereits an der Ortseinfahrt angelangt, wurde das Mobiltelefon plötzlich lebendig und signalisierte gleich mehrere Anrufe beziehungsweise ein SMS: Kurz und gut (eigentlich für den Bus, seinen Fahrer und mich eher schlecht), die gesamte wandernde Schmugglergesellschaft hatte über unseren Kopf hinweg beschlossen, die Route wegen der bereits fortgeschrittenen Stunde bei der Franz-Josefs-Warte abzubrechen, und der Bus, sein Fahrer und ich hatten schleunigst wieder umzukehren und die nach duftigem Wein und deftiger Kost lechzende Schmugglerbande abzuholen. So war es dann auch. Schlussendlich landeten alle froh und munter beim Heurigen. Dort wurde erzählt, dass die kleine Inga am Retourweg die Gruppe mit aufmunternden Zurufen wie „Hoppauf, Hoppauf“, „Lisl gib Gas“ oder „Berti gemma, gemma“ vor sich hergetrieben haben soll, was mich vermuten ließ, dass das bei manchem Erschöpfungszustände hervorgerufen haben könnte.
Beim Heurigen fand ich schließlich aus meinen „Schmugglerträumen“ wieder in die Realität zurück: Einen herzlichen Dank an alle, die an der Vorbereitung dieses Wandertages mitgewirkt haben, allen voran an die Hauptakteurin, unserer lieben Susanna.

Gut Heil,
Armin

Bildergalerie